03.10.2025

Der Wettbewerbs-Kompass der Europäischen Kommission: Eine neue Chance für Landwirte

Agri-Food in der EU: Wettbewerbskompass und öffentliche Förderungen

Im Januar 2025 stellte die Europäische Kommission den „Wettbewerbskompass“ (Competitiveness Compass) vor – einen Fahrplan, um Europas wirtschaftliche Dynamik und Wachstum zu stärken. Im Mittelpunkt stehen Innovation, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Resilienz – auch in der Landwirtschaft.

Für kleinere Betriebe und Agrarunternehmen wirkt der Wettbewerbskompass auf den ersten Blick abstrakt, tatsächlich eröffnet er aber sehr konkrete Chancen und Fördermöglichkeiten.

 

Der Leitfaden für Landwirte zum neuen EU-Wettbewerbskompass

Mit dem Wettbewerbskompass hat die EU im Januar 2025 die ehrgeizigste Agrarreform seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht. Sie verspricht weniger Bürokratie, mehr Unterstützung und neue Einkommensquellen. Das Fazit: Weniger Kontrollen, vereinfachte Anträge und neue Einnahmemöglichkeiten durch Kohlenstoff-Landwirtschaft, erneuerbare Energien und digitale Technologien.

Die EU rechnet damit, dass Landwirte allein durch Bürokratieabbau jährlich 1,58 Milliarden Euro einsparen – und gleichzeitig Zugang zu Milliardenbeträgen an neuen Förderungen erhalten.

Weniger Verwaltung ab 2026

Die wichtigste Änderung: Ab 2026 (vorbehaltlich der finalen Gesetzgebung Ende 2025) sinkt der Verwaltungsaufwand deutlich.

  • Die Kleinbetragsgrenze für Direktzahlungen steigt von 1.250 € auf 2.500 € pro Jahr, mit vereinfachten Verfahren, die Sie von komplexen Umweltberichten entbinden.
  • Betriebe unter 10 Hektar sind von bestimmten Kontrollen und Sanktionen vollständig befreit.
  • Eine Kontrolle pro Jahr: Alle GAP-Programme zusammen dürfen nur noch eine Vor-Ort-Kontrolle jährlich vorsehen – das bedeutet bis zu 50 % weniger Betriebsbesuche.
  • Die EU wird verstärkt Satellitendaten anstelle physischer Inspektionen zur Überprüfung der Einhaltung einsetzen.
  • Vorteile für Biobetriebe: Wer ökologisch zertifiziert ist, erfüllt automatisch mehrere Umweltauflagen (GLÖZ 1, 3, 4, 5, 6, 7) ohne zusätzliche Dokumente oder Prüfungen. Dies beschleunigt den gesamten Compliance-Prozess.

Anreize für KI und Präzisionslandwirtschaft

Die Initiative „Apply AI“ hilft landwirtschaftlichen Betrieben gezielt bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz und Robotik.

Zu den vorrangigen Technologien gehören:

  • Ausrüstung für die Präzisionslandwirtschaft
  • IoT-Sensoren zur Ernteüberwachung
  • Automatisierte Erntesysteme
  • Maschinelles Lernen für Ertragsprognosen

Praktische Anwendungen, die Unterstützung erhalten:

  • Präzisionssysteme für die Düngerausbringung zur Optimierung der Betriebsmittelkosten
  • Tierüberwachungssysteme zur Verbesserung des Tierwohls und der Produktivität
  • Drohnentechnologie für Feldüberwachung und Schädlingsbekämpfung
  • Automatisierte Bewässerungssysteme, die auf Bodenfeuchtedaten reagieren
  • Prädiktive Analytik für wetterbasierte landwirtschaftliche Entscheidungen

Kontaktieren Sie Ihren nationalen Hub für digitale Innovation (Digital Innovation Hub), um Technologien vor einer Investition zu testen. Die GAP-Strategiepläne in Ihrem Land enthalten Digitalisierungsmaßnahmen, die Sie direkt über Ihre nationale Zahlstelle beantragen können. Mehr als 274.000 Betriebe in der gesamten EU sind in den aktuellen Förderprogrammen für digitale Agrartechnologie enthalten.

 

Große Fördermöglichkeiten und wie man sie nutzt

Betrachten Sie die EU-Finanzierung in drei Wegen: (A) GAP/AKIS und EIP-AGRI für Feldversuche und Beratung; (B) Ausschreibungen für FuI und Digitalisierung (Horizon Europe, Digital Europe/GenAI4EU); (C) Finanzierungen/Kredite (EIB/InvestEU) über lokale Banken.

A) GAP & AKIS (auf nationaler Ebene, für Landwirte zugänglich)

  • Was: Beratung, Demonstrationsbetriebe, Betriebsbesuche und Operationelle Gruppen, die praktische Probleme auf dem Feld lösen.
  • Wo zu beantragen: Ihr nationales GAP-Netzwerk oder die Website der regionalen Zahlstelle (jeder Mitgliedstaat verwaltet seine eigenen Ausschreibungen und Gutscheine). CAP Network

 

B) Horizon Europe und Digital Europe (wettbewerbsorientiert, in Konsortien)

  • Horizon Europe – Cluster 6 (Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt): finanziert Pilotprojekte und Innovationsmaßnahmen; Landwirte nehmen in der Regel über Genossenschaften oder Berater in Konsortien teil. Antragstellung über das Funding & Tenders Portal der EU. Research and innovation European Research Executive Agency
  • GenAI4EU / Digital Europe: erste Welle von Ausschreibungen zur Integration generativer KI in strategische Sektoren, mit weiteren DIGITAL-Ausschreibungen zwischen 2025 und 2027. Antragstellung ebenfalls über das Portal; Digital Innovation Hubs können KMU bei der Vorbereitung helfen. Digital Strategy Europe+1 BayFOR

 

C) Kredite und Garantien (über Ihre Bank, schnellerer Zugang)

  • EIB-Gruppe Landwirtschaft und Bioökonomie: spezielle Linien für landwirtschaftliche Investitionen (Ausrüstung, Energie, Junglandwirte), oft kombiniert mit nationalen Garantien. Beantragung über teilnehmende lokale Banken/Kreditgenossenschaften; fragen Sie Ihre Bank nach KMU-Krediten, die durch EIB/InvestEU besichert sind.

Ausblick

Der Wettbewerbskompass ist nicht nur eine Vision, sondern ein konkreter Plan, der die Landwirtschaft in den kommenden Jahren spürbar entlasten und stärken soll. Für Landwirte und Agrarunternehmer ist es ermutigend zu sehen, dass die Landwirtschaft Teil dieser Vision ist: Sie wird nicht nur als Traditionssektor betrachtet, sondern als Schlüsselbranche für Europas Zukunft.

In den kommenden Monaten und Jahren sollten Sie sich über offizielle Kanäle über neue Förderaufrufe, Pilotprogramme oder regulatorische Änderungen auf dem Laufenden halten. Die Portale der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (sowie Ihr nationales Landwirtschaftsministerium) werden Details zur Umsetzung der Initiativen veröffentlichen – sei es eine neue Innovationsförderung oder die Vereinfachung einer belastenden Regelung.

Der EU-Wettbewerbskompass ist eine gute Nachricht für die Landwirtschaft. Er soll Landwirten die nötigen Werkzeuge, Fördermittel und fairen Regeln an die Hand geben, um in einer sich wandelnden Welt erfolgreich zu bleiben.

Fazit

Im nächsten Beitrag geben wir Ihnen praktische Tipps, wie Sie über Horizon Europe Förderungen erhalten und neue Technologien im Rahmen europäischer Projekte testen können.

 

Verfasst von Rocco Limongelli, Experte für KI & Robotik

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