22.08.2025

Ein Blick auf den europäischen Traktorenmarkt: Nachfrage und Zukunftsaussichten

Obwohl die Nachfrage nach Traktoren in Europa einen Rückgang verzeichnet, zeichnen sich erste Anzeichen einer Erholung ab. In diesem Artikel analysieren wir die Ursachen, die technologischen Innovationen und die Prognosen für die kommenden Monate auf dem Agrarmaschinenmarkt. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Es ist kein Geheimnis, dass der Markt für Traktoren eine Phase der Schwierigkeiten und Stagnation durchläuft, auch wenn sich erste leichte Anzeichen einer Erholung zeigen. Um die Gründe und Zukunftsperspektiven zu verstehen, müssen wir jedoch ein paar Jahre zurückblicken.

Tatsächlich durchlief die europäische Agrartechnik-Branche zwischen 2021 und 2024 ihren ausgeprägtesten Negativzyklus seit der letzten Finanzkrise. Insgesamt wurden nur 204.500 Maschinen als „Traktoren“ in den Registern der EU+EFTA-Länder angemeldet. Erschwerend kommt hinzu: Nur 144.400 davon verfügten über die tatsächlichen Merkmale eines Ackerschleppers. Der Rest entfiel auf Quads, Nutzfahrzeuge oder Teleskoplader – wertvolle Kategorien, die jedoch nicht primär für die reine Feldarbeit konzipiert sind.

Das agrartechnische Ökosystem 2021–2025

Der euphorische Boom des Jahres 2021 schien ein goldenes Jahrzehnt für Traktorenhersteller einzuläuten: Rekordpreise für Rohstoffe, reichlich Liquidität und nationale „Post-Covid“-Konjunkturpakete. Doch der Zyklus kehrte sich schnell um.

Die Agrarpreise fielen nach historischen Höchstständen im Jahr 2022 wieder ab, während die Produktionskosten (wie Diesel, Strom und Düngemittel) die Margen stärker belasteten als im vorangegangenen Fünfjahreszeitraum. Hinzu kam die restriktive Geldpolitik der Jahre 2023–2024, die Finanzierungen verteuerte und den Zugang zu Krediten für den Kauf von Landmaschinen erschwerte – genau in dem Moment, als die Betriebsbudgets schrumpften.

Auch Klimaereignisse übten erheblichen Druck aus: Überschwemmungen im Nordwesten Europas und Dürreperioden im Südosten reduzierten sowohl die Erträge als auch die nutzbaren Anbauflächen. Das Ergebnis? Landwirte begannen, den Kauf neuer Maschinen aufzuschieben und entschieden sich stattdessen für Reparaturen, den Kauf von Gebrauchtgeräten oder schlichtes Abwarten.

Vorteile des Traktorenverkaufs

Manchmal wird unbewusst ein wesentlicher Aspekt übersehen: Der Verkauf eines neuen Traktors kommt nicht nur den Finanzen der Hersteller zugute. Der Traktor ist das mechanische Herzstück jedes landwirtschaftlichen Betriebs, und die Messung der Nachfrage ist entscheidend, um den mehrjährigen Investitionszyklus zu überwachen, der bei knappen Margen oft aufgeschoben wird. Jede Neuzulassung löst zudem eine Kettenreaktion aus, welche den Absatz von Anbaugeräten, Dienstleistungen, Ersatzteilen und Kraftstoffen ankurbelt.

Darüber hinaus ist er ein strategischer Industrieindikator für Länder wie Italien, Deutschland, Frankreich und die Türkei, in denen die Traktorenproduktion Tausende von Menschen beschäftigt und den Export sowie die Zulieferindustrie maßgeblich beeinflusst. Die Zulassungszahlen in der EU sind daher nicht nur ein Indikator für die Gesundheit einer Marke, sondern ein Frühindikator für Beschäftigung, Export und Investitionen.

 

Die europäische Traktorennachfrage

Im Zeitraum 2023–2024 sanken die Neuzulassungen von Ackerschleppern von 157.147 auf 144.400 Einheiten (-8,1 %) – der niedrigste Stand der letzten zehn Jahre. Seit 2021 hat der Markt fast 38.000 Maschinen verloren (-20 %).

Der Rückgang verlief jedoch nicht einheitlich: Länder wie Portugal, Spanien, Belgien und Griechenland verzeichneten weiterhin positive Signale, während die beiden Branchenriesen Frankreich und Deutschland zusammen ein Minus von über 2.900 Einheiten verbuchten.

Kompakttraktoren und Modelle über 250 PS schneiden besser ab als mittlere Leistungsklassen

Im Jahr 2024 sanken die Traktorenzulassungen in Europa in fast allen Leistungsklassen. Dennoch wurde bei Traktoren mit geringer Leistung sowie bei sehr leistungsstarken Modellen ein Wachstum verzeichnet; im Gegensatz dazu erlitten die mittleren Leistungsklassen zweistellige Rückgänge.

Insbesondere das Segment der Maschinen über 250 PS schloss das Jahr 2024 mit einem Zuwachs von fast 20 % bei den Neuzulassungen im Vergleich zu 2023 ab. Diese Kraftpakete machen heute 9 % des europäischen Gesamtmarktes aus – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 7 % des Vorjahres. Dies lässt sich für Traktoren der Mittelklasse nicht behaupten: Insbesondere die Modelle zwischen 80 und 130 PS verzeichneten die deutlichsten Rückgänge bei den Zulassungszahlen.

Länderübersicht

  • Portugal, Spanien, Belgien und Griechenland: Dies sind die einzigen Märkte, die das Jahr 2024 mit einem positiven Ergebnis abschließen konnten. Portugal führt mit einem Plus von +25,4 %, gefolgt von Spanien und Belgien (beide über +13 %) und Griechenland (+5,4 %).
  • Frankreich und Deutschland: Die wichtigsten Referenzmärkte gaben nach, verzeichneten jedoch moderate Rückgänge von weniger als 10 %.
  • Balkanstaaten, Estland, Lettland und Island: Hier wurden deutliche Einbußen mit Rückgängen von über 20 % registriert.

 

Fokus auf die Schlüsselmärkte

Italien: Rückgang des Marktes für Neutraktoren setzt sich fort

Nach Angaben von FederUnacoma lagen die Neuzulassungen in Italien im Jahr 2024 bei knapp über 15.400 Einheiten (-12,2 %). Das einzige Wachstumssegment war das der Klasse unter 25 PS (+19 %). Parallel dazu wächst der Gebrauchtmarkt weiter (+8 % im Vergleich zu 2023) mit über 57.000 gehandelten Maschinen – ein Zeichen für die hohe Nachfrage nach kostengünstigeren Lösungen.

 

Deutschland: Rückgang um über tausend Zulassungen in einem Jahr

Der deutsche Markt verzeichnete 2024 einen Rückgang von -4,4 % und fiel unter die Marke von 27.600 Einheiten. Modelle unter 150 PS verzeichneten die stärksten Einbußen, während Traktoren über 150 PS das Jahr mit einem leichten Plus abschlossen.

 

Frankreich: Grünpflege stabil, der Rest rückläufig

Erstmals fiel der französische Markt unter die Schwelle von 34.000 Neuzulassungen (-5 % jährlich). Standardtraktoren gingen um 8,4 % zurück, während Spezialtraktoren den niedrigsten Stand des Jahrzehnts erreichten (-24,6 %).

Die Ausnahmen: Traktoren für die Grünflächenpflege (+9 %) und Hochleistungsmaschinen über 300 PS (+13 %). Die Durchschnittsleistung stieg von 163,5 auf 169 PS an.

Dieser Rückgang ist eng mit dem Einbruch des landwirtschaftlichen Produktionswertes um 8 % verbunden, wovon der Getreide- und Weinbau besonders betroffen waren (-21,7 % bzw. -20 %).

 

Großbritannien: Markt rückläufig, aber hohe Leistungsklassen behaupten sich

Der britische Markt schrumpfte um -11,7 % und fiel damit erstmals seit 2020 unter 12.000 Einheiten. Dennoch verzeichneten Hochleistungsmodelle Zuwächse: Traktoren über 240 PS legten um +14 % zu, was die Durchschnittsleistung auf den Rekordwert di 180 PS hob.

 

Spanien: Boom bei Traktoren über 100 PS

Spanien verzeichnete 2024 ein Wachstum von +13,4 % und übertraf damit die Marke von 8.700 Einheiten. Getrieben wurde das Wachstum vor allem von Traktoren über 100 PS, mit Sprüngen von +26 % bei Modellen über 200 PS. Auch der Gebrauchtmarkt expandiert weiter.

 

Türkei: Rückgang auf einem „Outsider“-Markt

Die Türkei bleibt mit über 63.500 Neuzulassungen im Jahr 2024 ein gewaltiger Markt, trotz eines Rückgangs von -18 % gegenüber 2023. Diese Kontraktion spiegelt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Landwirte, sinkende Erntepreise und einen erschwerten Zugang zu Krediten aufgrund der hohen Inflation wider.

Lage 2025 und Ausblick auf 2026: Italien und Europa

Und was wird 2025 passieren?

Im Laufe dieses Jahres scheint der europäische Landmaschinenmarkt nach dem starken Rückgang der Vorjahre Anzeichen einer Stabilisierung zu zeigen. Die Neuzulassungen von Ackerschleppern werden voraussichtlich bei etwa 146.000 Einheiten liegen, was einem leichten Anstieg gegenüber 2024 entspricht – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage beginnt, ein neues Gleichgewicht zu finden. Diese Verbesserung wird anscheinend durch günstigere klimatische Bedingungen und eine Verlangsamung des Anstiegs der Energiekosten begünstigt.

In Italien verzeichnet das Jahr 2025 rund 16.000 Neuzulassungen, was einem Wachstum von fast 4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Sektor in Europa zeigt ermutigende Anzeichen einer Erholung, die durch die Entwicklung des vom CEMA erstellten allgemeinen Geschäftsklimaindex bestätigt werden: Der Index stieg von -11 im Februar 2025 auf +2 Punkte im April und kehrte damit zum ersten Mal seit Mitte 2023 in den positiven Bereich zurück.

Weitere positive Signale kommen aus dem Vertriebsnetz: Zum ersten Mal seit Anfang 2023 liegen die Lagerbestände unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre in allen analysierten europäischen Hauptmärkten, ein entscheidender Faktor für die Wiederbelebung der Auftragseingänge.

An der internationalen Front kehrt das Vertrauen nicht nur in Schlüsselmärkten wie Polen, Spanien und Italien zurück, sondern auch in außereuropäischen Regionen wie Südamerika. Für das gesamte Jahr 2025 erwarten die im Rahmen der CEMA-Umfrage befragten Akteure ein moderates Umsatzwachstum mit einem geschätzten Durchschnitt von insgesamt rund +3 %.

Teilen:

Erhalten Sie exklusive Updates aus dem BKT-Universum.

Abonnieren Sie unseren Newsletter: Erhalten Sie aktuelle Informationen zu Produkten, Veranstaltungen und allen Ereignissen rund um BKT direkt in Ihren Posteingang.